Artikel vom 12.08.2017

Bärbel und Arno Feddersen betreiben in Immenstedt eine Milchtankstelle / Für das nächste Jahr gibt es Ausbaupläne: eine eigene Meierei

Immenstedt/Osterhever Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland einen Tankstellenboom, allerdings nicht für Sprit oder Strom, sondern für den „kuhlen“ Kraftstoff zum Trinken. Gemeint ist die Milch. Oder auch Muuuh To Go, wie Familie Clausen von der Eiderstedter Milchtankstelle in Osterhever ihre Bio-Milch nennt. Dabei bietet der Hof nicht nur Milch an, die rund um die Uhr frisch aus dem Automaten gezapft werden kann, sondern auch verschiedene regionale Produkte, die in einem Regiomaten gekühlt vorgehalten werden: Eier, Käse und Butter können ebenso aus dem Selbstbedienungsautomaten gezogen werden, wie diverse Wurstwaren, Marmelade, Honig und vieles mehr.

So einen Regiomaten wünschen sich Bärbel und Arno Feddersen auch, denn ihre Milchtankstelle in Immenstedt soll möglichst bald erweitert werden. Dabei ist das urige Stallgebäude auf Feddersens Farm schon jetzt ziemlich gut ausgestattet: mit einem leistungsfähigen Milchautomaten und vielen Flaschen, die – leer oder mit Pulver für diverse Geschmacksrichtungen gefüllt – dazu einladen, Milch frisch abgefüllt mitzunehmen. Allerdings hatten sie von Anfang an vor, irgendwann auch Wasserbüffelmilch und andere Produkte von diesen besonderen Tieren anzubieten, die seit fünf Jahren zum Hof gehören und großes Potenzial haben, der absolute Renner zu werden. „Ich habe schon ein bisschen experimentiert und viel Lob für unseren Wasserbüffelmilchlikör geerntet“, sagt Bärbel Feddersen, die auf dieser Basis auch Joghurt, Frischkäse und Mozzarella herstellen möchte. „Wir hoffen, dass unsere Erweiterungspläne schon im nächsten Jahr realisiert werden können“, sagt sie – auch im Hinblick darauf, dass die Kundschaft absolut begeistert auf das Angebot regionaler Produkte direkt vom Hof reagiert und immer häufiger nachfragt.

„Erstaunlicherweise sind gerade die jungen Leute höchst interessiert“, so ihre Beobachtung. Kinder lieben es, sich selbst Erdbeer-, Vanille-, Banane- oder Kakao-Varianten zu shaken. Auch Flüchtlingsfamilien, die für ihre Spezialitäten unbehandelte Milch brauchen, zählen zu den Stammkunden. Ebenso einige junge Männer, die abends mit Motorrollern auf den Hof knattern und lässig zur Hütte schlendern, als wäre es eine angesagte Kneipe. „Das liegt wohl daran, dass die Milch am Automaten gezapft werden kann, wie an einem Bierzapfhahn“, sagt Bärbel Feddersen lachend und erklärt die Vorgehensweise: Klappe auf, Geld einwerfen, Flasche unter den Auslauf drücken und schon fließt die Milch. Sie zeigt auf einen Schriftzug am Automaten: Rohmilch vor dem Verzehren abkochen. „Auch wenn das eigentlich nicht nötig ist, weil unsere Milch einwandfrei ist, müssen wir gemäß EU-Richtlinie darauf hinweisen“, sagt sie. Ist die Flasche voll und die Klappe wieder zu, startet der Automat selbständig einen Reinigungsvorgang.

Das heißt aber nicht, dass sich die Betreiber bequem zurücklehnen können. „Im Gegenteil“, sagt Arno Feddersen und öffnet die Tür zu dem schweren Edelstahltank, der etwa die Hälfte des Gerätes einnimmt und bis zu 150 Liter fassen kann. „Den müssen wir täglich wechseln und das gesamte Innenleben der Maschine gründlich mit Wasser und Lauge reinigen. Außerdem haben wir gut damit zu tun, die Flaschen mit unserem Logo zu bekleben, das Pulver für die Shakes vorzubereiten und die Regale aufzufüllen“, erklärt er mit Blick auf die übrigen Produkte in der Hütte: Honig, Eier, Kartoffeln, Gemüse – alles frisch, regional und saisonal.

Bei der Frage „Hand aufs Herz – lohnt sich das?“ nickt er: „Im Durchschnitt verkaufen wir 25 Liter Milch pro Tag – Tendenz steigend. Und am Wochenende ist es ohnehin oft deutlich mehr. Bei einem Euro je verkauftem Liter geht das in Ordnung“, sagt er, während seine Frau einmal mehr zeigt, wie sehr sie für diese Idee lebt: „Ich habe mich gerade für die Ausbildung zur Fachagrarwirtin für hofeigene Milchverarbeitung beworben, um gerüstet zu sein, wenn wir bald in unserer eigenen kleinen Meierei die Milch unserer Tiere verarbeiten – die der Milchkühe ebenso wie die unserer Wasserbüffel“, betont sie.

Nischen erkennen, Chancen nutzen, etwas Neues wagen – für die fröhliche Agrarbetriebswirtin ist das Mitdenken das A und O für landwirtschaftliche Betriebe, die angesichts wiederkehrender Krisen kreativ sein müssen, um bestehen zu können. „Wir wollen unseren Viehbestand nur so weit ausbauen, wie die Arbeit als Familienbetrieb noch zu schaffen ist. Ganz wichtig ist uns dabei der Verzicht auf genmanipuliertes Futter und damit verbunden die Gesundheit und Langlebigkeit unserer Tiere“, sagt sie und resümiert: „Regionale Produkte, das ist es, was die Leute zunehmend wieder wollen. Es stimmt einfach nicht, dass der Verbraucher immer nur billig will. Die Wertschätzung, die wir hier für unsere Frische und Qualität erfahren, bestärkt uns in unserem Tun.“

So sehen es auch die Betreiber anderer Milchtankstellen, von denen – neben Immenstedt und Osterhever – in Nordfriesland aktuell vier weitere registriert sind: der Ferienhof Gravert in Tating, De Inselmelk Henning Krüger auf Nordstrand, der Christiansen-Hof in Klockries/Risum-Lindholm und die Milchtankstelle Föhr. Auch Thore Nissen bietet auf seinem Hof in Ockholm einen Milchverkauf an. Allerdings nicht in einer Tankstelle im beschriebenen Sinne. „Die Milch wird jeden Tag frisch in Glasflaschen abgefüllt und aus dem Kühlschrank einer Hütte heraus verkauft“, so der Landwirt stellvertretend für viele, die es hier in der Region ebenso halten. Silke Schlüter

 

Artikel vom13.07.2017

Wasserbüffel als Naturschützer

Die Globalisierung macht auch beim Naturschutz nicht halt. Im Katinger Watt helfen italienische Wasserbüffel dem Naturschutzbund jetzt dabei, Lebensräume für Wiesenvögel zu erhalten. Ursprünglich stammen die Rinder aus Asien. „Die grunzen wie Schweine. Die stinken auch so“, lacht Bärbel Feddersen. Das klingt erst einmal gar nicht so nett, aber die Bäuerin aus Immenstedt liebt ihre Wasserbüffel – Laura und Lena ebenso wie Klaus und Kurt oder Franz und Franzi. Zusammen mit ihrem Mann Arno besitzt sie inzwischen 17 der hierzulande seltenen Vierbeiner. Vor zehn Jahren entdeckte sie die Rinderart als Schülerin der Höheren Landbauschule bei einem Ausflug nach Italien.

Es stimmt übrigens: Auf der Weide vernimmt man eher ein Oink statt einem Muh. Ein Teil der Herde grast seit Mitte Mai im Naturschutzgebiet Katinger Watt – einer gewässerreichen Landschaft, die prädestiniert ist für die Tiere, die als gute Schwimmer gelten und sogar tauchen können, wie ihre Besitzerin beobachtet hat. 40 Hektar Weidefläche stehen den Wasserbüffeln dort zur Verfügung – Bedingungen, die in der Viehhaltung ihresgleichen suchen.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) kümmert sich in der Eidermündung seit Jahrzehnten um die Schutzgebiete, in denen Wiesenvögel wie Säbelschnäbler und Kiebitz leben. Aber auch Gänse finden dort Nahrung. Damit das so bleibt, sollen die zehn Büffel die Gräser kurz halten und Verbuschung verhindern. Ob das gelingt, muss man erst noch sehen. Im Herbst kommen die Tiere in den Stall, dann wird man Bilanz ziehen.

„Wir experimentieren mit verschiedenen Rinderrassen“, erklärt Sibylle Stromberg, die Leiterin des Nabu-Naturzentrums Katingsiel. Im Katinger Watt haben schon Highlander gegrast, aber auch Schafe und Pferde. Aktuell gibt es dort auch noch Rouge-des-Prés-Rinder. Normale Stalltiere aus der intensiven Landwirtschaft seien für die Aufgabe dagegen ungeeignet, weil sie ganz anders gefüttert werden müssen.

Erforderlich sei zudem ein ausgeklügeltes Weidemanagement, sagt die Naturschützerin. So muss das Gebiet behutsam eingezäunt werden, sonst besteht die Gefahr, dass sich Vögel in den Absperrungen verfangen. Damit die Büffel in dem riesigen Weideareal nicht verwildern, brauchen sie regelmäßigen Kontakt zu einer Bezugsperson. Die Feddersens aus dem 40 Kilometer entfernten Immenstedt können das nicht selbst leisten. Hier kommt Monika Povel ins Spiel. Die Nabu-Ehrenamtliche ist die Betreuerin der zehn Rinder, „krault sie hinter dem Ohr“, wie sie selbst sagt.

Das Weideprojekt, das im nächsten Jahr fortgesetzt werden soll, ist das, was man neudeutsch eine Win-Win-Situation nennt. Denn der Aufenthalt in der „Sommerfrische“ (Povel) kommt natürlich auch den robusten Rindern und damit ihren Besitzern zugute.

Die Landwirtsfamilie hat mit den Wasserbüffeln Großes vor. Man könnte ihr zartes Fleisch, das als wohlschmeckend gilt, vermarkten. Doch die Feddersens, die auch 120 „normale“ Milchkühe halten, wollen aus der Büffelmilch das herstellen, wofür sie bekannt ist: Mozzarella-Käse. Im kommenden Jahr soll es so weit sein. Bis dahin wird noch ein wenig ausprobiert, müssen noch einige Behördenauflagen erfüllt werden.